Druckvorschau
Drucken
Schließen

Keine neuen Risiken im Naturschutzgebiet

Erdgasbohrungen auf dem Vormarsch

Die verstärkte Nutzung von Erdgas gehört zu den vielen Maßnahmen, die in Deutschland zur Bewältigung der Energiewende erforderlich sind. Es ist daher kein Wunder, dass die Zahl der Erdgasbohrungen bei uns, aber auch in anderen Ländern rapide zunimmt. In Bayern sind die Erdgasreserven im Wesentlichen auf das Alpenvorland beschränkt und obwohl sie im Vergleich zu anderen Bundesländern besonders niedrig sind, werden auch hier Erkundungen durch Probebohrungen aufgenommen. Inzwischen haben sie sogar ein Kleinod unserer Heimat, die "Eiszerfallslandschaft" erreicht, die seit 1939 durch das "Naturschutzgebiet Eggstätt Hemhofer Seenplatte" besonderen Schutz genießt. Alle Bürgerinnen und Bürger, denen dieses Gebiet bekannt ist, sind darüber begreiflicherweise sehr erschrocken, Warum ausgerechnet hier? Die unmittelbar durch ihren Wohnort und nähere Umgebung Betroffenen fühlen sich zu Recht besonders verantwortlich. Sie haben eine Bürgerinitiative gegründet. In einer Petition an den bayerischen Landtag wenden sie sich gegen die geplanten Eingriffe.

Wo und wie wird das Erdgas erschlossen?

Dem Vernehmen nach kommen im Umfeld des Naturschutzgebietes verschiedene Orte in Betracht, zunächst war die Rede von Schlicht, gegenwärtig ist es die Gegend bei Gattern. Beide Orte sind erheblich weniger als 100 m vom Naturschutzgebiet und nur wenige Meter darüber hinaus bis zum Ufer des Langbürgner Sees entfernt. Bei Gatern sollen die Bohrungen bis in ca. 2271 m in die Tiefe vordringen, wobei ein Ableger ab 400 m Tiefe ist unter den Langbürgner See geplant ist. Nördlich des Chiemsees soll es angeblich keine großen zusammenhängenden Erdgasvorkommen geben. Wenn aber doch, so käme eine relativ einfache, so genannte konventionelle Gasförderung zum Zuge. Im vorgesehenen Gebiet ist aber anscheinend eine "unkonventionelle Gasförderung" nötig, weil das Gas in kleineren Blasen verteilt ist, die, voneinander getrennt, von festem Gestein umschlossen sind. Durch Spaltenbildungen, die unter hohem Druck auf das Gestein entstehen, ist es technisch möglich, durchgehende Gänge zu schaffen, um die Gasblasen zu einen und so das Gas im kontinuierlichen Fluss zum Bohrrohr zu führen. Um den Gasfluss bis zur Erdoberfläche zu optimieren, werden dem Bohrwasser besondere Substanzen zugefügt (lt. Angaben aus dem Internet gibt es weit über 100, aus welchen je nach Bedarf ausgewählt wird), darunter häufig auch Biozide. Sie werden z. B. zur Vermeidung von Bakterienwachstum eingesetzt, durch welsches der Spaltenquerschnitt und damit der Gasdurchfluss eingeschränkt werden könnte. Das Gemisch aus Wasser und Zusatzstoffen tritt  aber auch wieder zutage. Unabhängig vom Bohrverfahren - konventionell oder unkonventionell - wird der aus verschiedenen Tiefen nach oben beförderte Bohrschlamm keineswegs immer harmlos sein.

Was wird befürchtet?

Dramatische bis zur Erdoberfläche reichende Schädigung, die in der Tiefe des Gesteins als Folge der Entstehung von Hohlräumen zustande kommen könnten, sind relativ unwahrscheinlich im Vergleich zu Verschmutzungen, die im Umfeld der Bohranlage und während des LKW Transports durch Unfälle oder menschliches Versagen freigesetzt werden. Befürchtungen, dass es in solchen Fällen trotz bester technischer Vorkehrungen auch zu Verschmutzungen des Oberflächen-, Grund- und Trinkwassers kommen kann, sind daher nicht von der Hand zu weisen. Neben den spezifischen, beim Bohrprozess eingesetzten, auf Lebewesen tödlich wirkende Substanzen (Biozide) und dem aus der Tiefe nach oben transportierten "Bohrschlamm" sind es auch die bei jedem Einsatz von Maschinen und Kraftfahrzeugen fas unvermeidbaren Verschmutzungen, z. B. durch Öl und Benzin. Warnschilder an Straßenrändern mit dem Aufdruck "Vorsicht Ölspur" sind auch auf unseren Straßen nicht gerade selten zu sehen. In der Literatur und im Internet gibt es unzählige Berichte über mehr oder weniger dramatisch verlaufende Schädigungen, durch welche die Diskussionen um Erdgasbohrungen angeheizt worden sind. Auf der einen Seite stehen die hoch entwickelten technischen Vorkehrungen und auf der anderen Seite die Berichte von Pannen. Spätestens seit Fukushima hat sich herumgesprochen, dass Risiken nie ganz ausgeschlossen werden können, und es besteht kein Zweifel, dass sich Verschmutzungen mit giftigen Substanzen in den Feuchtgebieten einer Eiszerfallslandschaft nicht so ohne weiteres aus der Welt schaffen lassen wie z. B. in einer einfach strukturierten Schotterebene, wo man in einer mächtigen Schicht oberhalb des Grundwassers durch relativ leicht durchzuführendes Abtragen und Abtransport des betroffenen Materials Folgeprobleme vermeiden kann. Jedenfalls gilt das grundsätzliche Risiko dass überall dort, wo Maschinen eingesetzt und LKW Transporte intensiviert werden, nicht nur mehr Schmutz als anderswo entsteht, sondern auch die Wahrscheinlichkeit für Verschmutzungen mit giftigen Substanzen in den Feuchtgebieten einer Eiszerfallslandschaft nicht so ohne weiters aus der Welt schaffen lassen wie z. B. in einer einfach strukturierten Schotterebene, wo man in einer mächtigen Schicht oberhalb des Grundwassers durch relativ leicht durchzuführendes Abtragen und Abtransport des betroffenen  Materials Folgeprobleme vermeiden kann. Jedenfalls gilt das grundsätzliche Risiko, dass überall dort, wo Maschinen eingesetzt und LKW Transporte intensiviert werden, nicht nur mehr Schmutz als anderswo entsteht, sondern auch die Wahrscheinlichkeit für Verschmutzungen mit giftigen Substanzen zunimmt. Man mag dagegen einwenden, dass es meist kleinflächige Bereiche sind, die man bei rechtzeitiger Endeckung rasch beheben kann. Gerade in diesem Fall ist aber nicht auszuschließen, dass sie mehr oder weniger lang unentdeckt bleiben können und schließlich muss bedacht werden, dass immer mehr Substanzen bekannt werden, die bereits in Konzentrationen von wenigen millionstel Gramm pro Liter Seewasser erhebliche Schäden verursachen und dass in der Eiszerfallslandschaft die Wege bis zum nächsten Oberflächen- und Grundwasser besonders kurz sind. Es ist zu hoffen, dass in den oben erwähnten Abschlussberichten der Expertengremien auch über die Wirkung der bei Bohrverfahren eingesetzten Biozide auf Lebewesen berichtet wird. Es geht in unserem Fall aber nicht nur darum, welche nachteiligen Folgen sich im Zuge von Erdgasbohrungen an einem bestimmten Ort ergeben, sondern auch, ob durch technische Fortschritte im Laufe der Jahre weiter wirtschaftliche Begehrlichkeiten erweckt werden könnten, die später erst recht nicht mehr zu stoppen sind. Abgesehen davon  kann schon jetzt nicht ausgeschlossen werden, dass die ersten Erdgasförderungen zu Ergebnissen führen, aufgrund derer anschließend auch in andere Richtungen gebohrt werden wird und es ist ebenfalls nicht von vornherein auszuschließen, dass sich das Fördergebiet zu einem späteren Zeitpunkt bestens zur Erdgasspeicherung mit weithin sichtbaren Anlagen eignet.

Hochempfindliches Naturschutzgebiet Eggstätt Hemhofer Seenplatte in Gefahr

Landschaften, die von Feuchtgebieten und Gewässern dominiert werden, gehören zu den empfindlichsten Landschaftstypen Deutschlands. Aus diesem Grunde sind sie infolge der zivilisationsbedingten Expansion bereits selten geworden! Das Naturschutzgebiet Eggstätt Hemhofer Seenplatte gehört zu dieser Kategorie. Herausragende Eigenschaft ist die unübertroffene Vielfalt an Seen, Weihern, Fließgewässern, Moor- und Waldtypen auf engstem Raum. Die Ausweisung zum Naturschutzgebiet im Jahre 1939 erfolgte vor allem, weil diese Vielfalt als besonders schön empfunden wurde. Es gibt sie in dieser besonderen Form nur in Eiszerfallslandschaften. Aus unzähligen Veröffentlichungen wissen wir inzwischen sehr viel über die besonders reiche Vielfalt an Pflanzen und Tieren zu Wasser und an Land, und wer darüber weniger gut informiert ist, freut sich nach wie vor ganz einfach an der Schönheit der Natur. Das ist ein unbezahlbarer Beitrag für einen erholsamen Urlaub: Es ist ein Ort zum Nachdenken über die Entstehung von Vielfalt im Leben und über die Gefährdung der Schöpfung, über die so viel geredet und geschrieben wird. Seit über 50 Jahren ist aber auch bekannt, dass dieses Naturschutzgebiet mit seiner Fläche von ca. 1023 ha viel zu klein ist, um den geforderten Schutz auf Dauer zu sichern, Zu stark sind die vielfältigen Einflüsse, die von außen eindringen, und ihre Wirkungen, vor allem bei den empfindlichen Gewässern und Feuchtgebieten. Kein Zweifel: Heutzutage würde man die Grenzen des Naturschutzgebietes nicht so eng um sein Zentrum ziehen, weil es nicht nur um die Bewährung seiner Schönheit, sondern auch um die nachhaltige Sicherung seiner Funktion als Ökosystem geht. Wahrscheinlich man die um das Naturschutzgebiet liegenden kleinen hydrologischen Einzugsgebieten einbeziehen, da es zusammen mit diesen eine hydrologische Einheit bildet. Das wäre jedenfalls der richtige Weg gewesen! Die heutigen Grenzen haben damit nicht das Geringste zu tun. Sie sind das Ergebnis von Auseinandersetzungen verschiedener Interessengruppen. Abgesehen davon  hätte man nie zugelassen, dass der südliche Abschnitt des Naturschutzgebietes von zwei reichlich befahrenen Straßen durchquert wird. Sind die dadurch entstandenen Belastungen bereits so groß, dass es unerheblich ist, wenn nun eine Erdgasbohrung hinzukommt. So wäre es in der Tat, wenn es in den letzten 20 Jahren nicht gelungen wäre, ein Konzept für besseren Schutz zu entwickeln, umfangreiche Untersuchungen zu starten und deren Ergebnisse weitgehend umzusetzen. Die angestrebten Ziele sind aber nicht von heute auf morgen zu erreichen. Wichtig ist, dass im Zuge dieser langen Zusammenarbeit von zahlreichen Experten aus verschiedenen Arbeitsgebieten und in Kooperation mit der Landwirtschaft Weichenstellungen für eine Entwicklung in Richtung eines besseren Schutzes geschaffen worden sind. Man kann dieses Unternehmen auch als Langzeitexperiment bezeichnen, welches nun, nach Abschluss wichtiger Umsetzungsmaßnahmen, in die Wege geleitet worden ist. Eine leichtfertige Akzeptanz von Störungen, wie sie durch Erdgasbohrungen keinesfalls auszuschließen sind, stünde in krassem Gegensatz zu all dem, was bisher gedacht und erreicht worden ist. Darauf soll im folgenden Abschnitt kurz eingegangen werden.

Eine neue Schutzstrategie durch Biotopverbund und Natura 2000

Belastungen wirken sich auf gleichartige Lebensgemeinschaften umso stärker aus, je weiter sie voneinander noch besonders isoliert sind, u. a. weil der Austausch zwischen gleichen Arbeiten reduziert oder sogar ausgeschlossen ist. Das trifft für die beiden Naturschutzgebiete Eggstätt Hemhofer Seenplatte und Seeoner Seen zu und so ist es kein Wunder, dass von mehreren Arten, die in den 50er- Jahren noch durch hohe Individuenzahlen aufgefallen sind, in den 80er- Jahren nur noch wenige Exemplare gefunden werden konnten. Mit einer Fläche von nur 140,3 ha und in fünf voneinander getrennte Areale aufgeteilt, ist das Naturschutzgebiet Seeoner Seen noch erheblich kleiner als das Naturschutzgebiet Eggstätt Hemhofer Seenplatte und daher noch gefährdeter als jenes. Eine Vereinigung der beiden Naturschutzgebiete zu einem gemeinsamen wäre eine praktikable Lösung gewesen, doch schied diese von vornherein aus, weil das Gebiet zwischen ihnen zum überwiegenden Teil seit den 20er- Jahren  in zunehmendem Maße bis auf kleinere verstreut gelegene Areale in die landwirtschaftliche Nutzung einbezogen worden sind. In ihren ökologischen Eigenschaften ähneln sie glücklicherweise jenen, die auch innerhalb der Naturschutzgebiete vorkommen. Es war daher naheliegend zu prüfen, ob es möglich ist, diese relativ kleinen Gebiete zu einem Verbund zusammenzufassen und diesen an beiden Enden bis zum Naturschutzgebiet zu führen: im Osten an das NSG Seeoner Seen und im Westen an NSG Eggstätt Hemhofer Seenplatte. Mit dieser Aufgabenstellung startete 1996  eine konzertierte Aktion, bei welcher die zuständigen Vertreter mehrerer Institutionen vertreten waren, z. B. der Unteren Naturschutzbehörden der Landratsämter Rosenheim und Traunstein, des Landesamtes für Umwelt, des damals so bezeichneten Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen, der Arbeitsgruppe Arten- und Biotopschutz, der Regierung von Oberbayern und der ARGE Biotopverbund der Limnologischen Forschungsstation  Seeon der Fakultät Biologie der Universität München. An der Finanzierung dieses Projektes in Höhe von über 3 Millionen € waren  neben den genannten Institutionen der Bayerische Naturschutzfonds beteiligt. Am Ende der zwischen 1996  - 2004 durchgeführten Untersuchungen konnte ein Gebiet von  insgesamt ca. 8000 ha als besonders schützenswert herausgestellt werden: Es enthält die beiden Naturschutzgebiete, einen zwischen Eggstätt und Seeon verbindenden Biotopverbund als Kernstück und alle weiteren schützenswerten Lebensräume im weiteren Umfeld. Die Umsetzungsmaßnahmen wurden in Kooperation mit der Land- und Forstwirtschaft unter Ausnutzung aller landwirtschaftlichen Fördermaßnahmen der Bayerischen Staatsregierung durchgeführt. Im Jahre 2004 wurde dieses Gebiet von der Europäischen Union als Gebiet von "gemeinschaftlicher Bedeutung" d. h. als "Natura 2000" - Gebiet anerkannt.

Der neue Schutzstatus und unsere Verantwortung

Ich meine, dass alle, die den Chiemgau als ihre Heimat tagtäglich und nicht nur durch gelegentliche Besuche erleben dürfen, auch ein wenig stolz darauf sein können, dass es inmitten unserer von Land-, Forstwirtschaft, von Gewerbe und Industrie dominierten Landschaft und inmitten einer sich ausbreitenden Infrastruktur und dem rasanten Flächenverbrauch (in Bayern ca. 23 Fußballfelder pro Tag) gelungen ist, international anerkannte Schutzgebiete einzurichten, in welchen sich das Leben ohne ständigen massiven Eingriffe durch die Menschen entwickeln kann. Das war in Deutschland durch die Ausweisung von Naturschutzgebieten bisher nur auf ca. 3,6 % der Landesfläche möglich. Unsere kleinen Naturschutzgebiete, die Eggstätt Hemhofer Seenplatte und die Seeoner Seen sind darin enthalten. Durch die Ausweisung eines Natura 2000-Gebietes verbessern wir ihren Schutz und leisten damit einen wichtigen lokalen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt. Ergibt sich aus diesem Erfolg nicht auch die besondere Pflicht, in in diesen ausersehenen Gebieten konsequent zu bleiben, d. h. den besten Schutz anzustreben? Das heißt aber auch, keine neuen Risiken zuzulassen. Der neue Schutzstatus bietet auch den umliegenden fünf Wasserschutzgebieten verstärkten Schutz. Angesichts der weltweit wachsenden Probleme in der Trinkwasserversorgung können unsere Wasserschutzgebiete als besonderes Gut nicht hoch genug bewertet werden und es ist erfreulich dass die derzeit bestehende gute Wasserqualtität hinreichenden Schutz gesichert ist. Das ist nicht selbstverständlich. Das unerwartet Auftreten von Kolibakterien im Trinkwasser von Rosenheim im vergangenen Sommer, hervorgerufen durch außergewöhnliche Niederschlagsmengen, in deren Folge die Filterkapazität des Bodens überschritten und/ oder ein zusätzlicher Wasserimport aus Bereichen außerhalb des Wasserschutzgebietes zu den Brunnen ermöglicht worden ist, zeigt eindrucksvoll, wie schnell Schädigungen unter außergewöhnlichen Niederschlagsmengen möglich sind. Wer hat dieses Risiko gedacht? Es mahnt uns eindringlich, keine neuen Risiken einzugehen! Es kann nicht oft genug herausgestellt werden, dass die internationale Anerkennung als Natura 2000-Gebiet (Schutzgebietsnetzwerk, in welchem die Artenschutzbestimmungen der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien und der Vogelschutzrichtlinie gelten) nicht ohne das bisherige verantwortungsbewusste Verhalten seiner Bewohner, insbesondere auch der Landwirtschaft möglich geworden ist. Ws wird in der Öffentlichkeit leider auch immer wieder übersehen: Natura 2000 ist ein lokaler Beitrag der auf der Konferenz der Vereinten Nationen zu Umwelt und Entwicklung im Jahre 1992 in Rio de Janeiro beschlossen und von 168 Staaten sowie der EU unterzeichnet worden ist. Innerhalb Bayerns ist Natura 2000 ein Beitrag zum Projekt "Schaffung eines landesweiten Biotopverbunds" (Bayern-Netz-Natur), welches im Jahre 1995 in einer Regierungserklärung des damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber verkündet und in Artikel 1a, Absatz 2 Nr. 3 und Artikel 1f des BayNatSchG rechtlich verankert worden ist. Die Ausweisung eines Natura 2000 Gebietes bedeutet aber nicht, dass das strikte Bewahren der gegenwärtigen Verhältnisse angestrebt wird. Fortlaufender Wandel findet auch in der vom Menschen ungestörten Natur, z. B. in Nationalparks und Naturschutzgebieten, statt. Dieses Anliegen kann jedoch nicht in allen Bereichen eines Natura 2000-Gebietes angestrebt werden, wohl aber in unseren beiden Naturschutzgebieten. Außerhalb ihrer Grenzen gibt es unterschiedliche Schutzanforderungen, deren Ausrichtung von der lokalen, z. T. sehr kleinräumigen ökologischen Situation abhängt. Sie können oft nur durch spezielle Eingriffe des Menschen gesichert werden. Das trifft z. B. für viele Bereiche im Kerngebiet des Biotopverbunds zwischen Seeon und Eggstätt zu, die erfreulicherweise als FFH-Bereiche ausgewiesen werden konnten. Das Natura 2000 Gebiet enthält aber auch große Bereiche, die land- und forstwirtschaftlich genutzt werden und daher nicht zu dieser Schutzkategorie gehören. Das bedeutet jedoh nicht, dass die Nutzungsmethoden den Schutzbestimmungen in ihrer Nachbarschaft zuwiderlaufen. Im Laufe der Zeit soll ier eine Balance zwischen Naturschutz und Naturnutzung gefunden werden. Nur so erfüllt das Natura 2000 Gebiet in seiner Gesamtheit eine zusätzliche Schutzfunktion für sein Umfeld, insbesondere auch für die Wasserschutzgebiete, und dies umso besser, je größer der Flächenanteil ihres Wassereinzugsgebietes ist, der innerhalb der Grenzen des Natura 2000 Gebietes liegt.

Schlussfolgerung

Unsere Naturschutzgebiete bilden zusammen mit ihrem jeweiligen Umfeld, aus welchem sie mit Oberflächen- und Grundwasser versorgt werden, eine hydrologische Einheit, innerhalb welcher keine neuen Risiken in Kauf genommen werden dürfen, zumal sie auch unseren Wasserschutzgebieten und damit unserem Trinkwasser einen besonderen Schutz gewähren.

Im Rahmeneines mehrjährigen, unter hohem finanziellen Einsatz durchgeführten Untersuchungsprogramms ist es in einer konzertierten Akton zahlreicher Experten aus verschiedenen Institutionengelungen, die Voraussetzungen zu schaffen, um den zuvor bestehenden Gefährdungsgrad der Naturschutzgebiete eggstätt Hemhofer Seenplatte und Seeoner Seen zu vermindern, indem sie aus ihrer isolierten Lage durch einen Biotopverbund befreit worden sind.

Es ist gelungen beiden Naturschutzgebieten infolge ihrer Einbettung in ein Natura 2000 Gebiet zusätzlichen Schutz zu verschaffen, dessen positive Folgen in den kommenden Jahren mehr und mehr in Erscheinung treten werden.

Erdgasbohrungen innerhalb dieses Gebietes stehen infoge der damit verbundenen risiken in krassem Gegensatz zu den bisherigen Anstrengungen. Dieser Widerspruch würde durch die erforderlichen Anlagen und durch den erhöhten LKW Verkehr neben den aufgeführten Risiken auch deutlich sichtbar werden und den fatalen Eindruch erwecken, dass Naturschutz nicht einmal in Naturschutzgebieten ernst genommen wird.

von Prof. Dr. Hans Otto Siebeck