Die Kraft des Wassers tanken
Schriftgröße verändern:

Erdgasförderung unter dem Langbürgner See - riskante Ausbeutung unserer Natur

In der Erwartung steigender Gaspreise und unter Ausnutzung neuer Bohrtechniken werden Lagerstätten interessant, die vor einigen Jahren noch nicht wirtschafltich förderbar waren. Im Gemeindegebiet Breitbrunn am Chiemsee plant das österreichsiche Unternehmen RAG Austria in Kooperation mit E.ON die Erschließung zwei neuer Lagerstätten. Unter dem Langbürgner See - direkt neben dem Naturschutz- und FFH-Gebiet Eggstätt-Hemhofer-Seenplatte - sollen mit Hilfe von Horiszontalbohrungen konventionelle Gasborkommen erschlossen werden.

Horizontalbohrungen machen es nöglich vom Rand des Naturschutzgebietes aus unter den See zu bohren. Dabei soll erst senkrecht bis 400 Meter Tiefe gebohrt werden. Anschließend soll abgelenkt werden, um dann horizontal 1000 Meter unter den Langbürgner See zu bohren. Danach soll nochmals abgeleitet und eine Tiefe von 2400 Meter erreicht werden. Eine zweite Bohrung soll 1100 Meter in die Tiefe gehen.

Gasförderung ist aufwendig und mit einer Reihe von Nebenwirkungen verbunden, über die in der Industrie nicht gerne gesprochen wird. Alleine ca. 6000 qm soll der Bohrplatz neben dem Naturschutzgebiet werden. Zum Schutz der Umwelt müssen die Bohrplätze vor den teils hochgiftigen und gesundheitsgefährdenden Begleitstoffen der Bohrung, aber auch der späteren Förderung.

Der Bohrplatz ist meist schnell eingerichtet, genau wie der Aufbau des ca. 30 Meter hohen Bohrturms. Die eigentliche Bohrung läuft 24 Stunden am Tag und siebe Tage die Woche. Nachts werden die Bohrplätze hell beleuchtet. Sie sindim weiten Umkreis zu sehen und kaum zu überhören. Der Bohrbetrieb kann mehrere Monate dauern. Gerade in Anbetracht des wertvollen Naturschutzgebietes Eggstätt-Hemhofer-Seenplatte und den darin lebenden geschützten Tierarten wäre ein solches Unterfangen undenkbar.

Während der Bohrung fallen große Mengen Bohrschlämme an. Zum Abtransport des zermahlenen Gesteins wird mit großen Mengen extrem salzhaltigem Wasser gespült An die Oberfläche gelangt dadurch ein Schlammgemisch, welches neben Schmiermitteln auch noch alles enthält, was sonst noch im Boden zu finden ist. Je nach geologischer Situation sind das Quecksilber, Arsen und andere Schwermetalle. Das radioaktive Zerfallsprodukt aus Uran - Radium-226 - ist gut wasserlöslich und kommt ebenfalls mit der Bohrschlämme an die Oberfläche. Das stark salzhaltige und toxische Lagerstättenwasser muss speziell entsorgt werden. Die Entsorgung erfolgt oft in  ausgedienten Bohrungen, genannt Disposalbohrungen oder Versenkbohrstellen. Zu den Versenkbohrstellen gelangt das Lagerstättenwasser häufig über LKW-Flotten oder Leitungen, durch die das Lagerstättenwasser zwischen Förderstellen, Gastrocknern und Versenkbohrstellen transportiert wird. Auch hier passieren immer wieder Unglücke. Bei dem von der RAG durchgeführten Bohrprojekt im nahegelegenen Assing war es bei diesem Abtransport zu einem Unfall gekommen. Dabei war ein LKW mit toxischen Bohrschlämmen auf der Straße ausgelaufen. Ein solcher nahe dem Naturschutzgebiet wäre eine nicht wieder gutzumachende Katastrophe! Und auch bei ExxonMobil im Erdgasfeld Söhlingen müssen gerade umfangreiche Sanierungsmaßnahmen stattfinden. Über Jahre wurden Grundwasser und Erdboden mit der Lauge, Quecksilber und Benzol kontaminiert.

Lagerstättenwasser, welches ei jeder Gasförderung zwangsläufig anfällt, wird vor Ort in industriellen Anlagen, den Gastrocknern vom gas (Menthan) getrennt. In dem Lagerstättenwasser können Quecksilber, Benzol, Toluol und andere hochgiftige, krebserregende Stoffe sein, immer abhängig von der geologischen Situation.  Auch Radium-227 fällt bei der Förderung weiterhin an. Zu Beginn einer Förderphase wird über oberirdische Fackeln das zuerst austretende Methan verbrannt. Nachts erleuchten die Fackeln die Umgebung. Sie fauchen wie Flugzeugtriebwerke und blasen zusätzliche Schadstoffe in die Luft.

Die Bürgerinitiative Breitbrunn sieht in erster Linie eine Gefährdung des Grundwassers als auch der wertvollen Eggstätt-Hemhofer-Seenplatte. Kommt es zu einem Schaden am Langbürgner See, wird eines der schönsten Naturschutzgebiete Deutschlands degradiert. Die Flora und Fauna wäre unwiederbringlich zerstört. Dieser Schaden kann auch mit Geld nicht wieder gut gemacht werden! Zudem lebt die Gegend rund um die Eggstätt Hemhofer Seenplatte vorwiegend vom Tourismus, der durch den Bau eines ca 6000 qm großen Bohrplatzes erheblich leiden würde. Gewinner sind also nur die Energiekonzerne!

Um die Bürgerinitiative zu unterstützen, können Sie online eine Petition ausfüllen oder sich direkt in Kontakt mit der Initiative setzen. Alle Informationen dazu finden Sie unter: www.gegen-gasbohren.de/breitbrunn

von Gerhard Kolbeck, Josef Unterhauser