Die Kraft des Wassers tanken
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Die "Eiszerfallslandschaft" verteidigen und Landschaftszerfall verhindern

Als Projektbetreuer im Biotopverbund zwischen Eggstätt und Seeon durfte ich in den letzten drei Jahren eine bezaubernde Landschaft kennenlernen, die wegen ihrer geologischen Entstehungsgeschichte und ihrem außergewöhnlichen Artenreichtum weit über die Grenzen Bayerns hinaus bedeutsam ist. Das Naturschutzgebiet Eggstätt Hemhofer Seenplatte ist ein einzigartiger, großflächig erhaltener Biotopkomplex, der mit seinem Mosaik aus Eiszeitseen, Sümpfen und Mooren an den hohen Norden Skandinaviens und das urtümliche Land der tausend Seen erinnert. Der Wasserreichtum der Seenplatte ist ein Segen für Mensch und Natur, der gerade in Zeiten des globalen Klimawandels immer bedeutsamer wird. Die abwechslungsreiche Landschaft rund um Eggstätt und Seeon birgt ein erhebliches Potenzial für Naturerlebnisreisende und umweltschonende Tourismuskonzepte ... vorausgesetzt, ihr naturnaher Charakter kann langfristig erhalten werden! Am Ende meiner Vertragslaufzeit wurde ich durch Stimmen aus der Bevölkerung auf das geplante Gasbohrungsprojekt am Rande des Naturschutzgebietes aufmerksam gemacht und auch mit den möglichen negativen Begleiterscheinungen konfrontiert. Daraufhin habe ich meine Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Vorhabens umgehend den Fachkräften an der Regierung von Oberbayern geschildert und hoffe sehr, dass die zuständigen Stellen eine zukunftsweisende Entscheidung treffen werden.

"Zukunftsweisend" ist meines Erachtens das entscheidende Stichwort:

Nach dem Atomausstieg und der Suche nach alternativen Energiequellen erleben wir gerade eine "grüne Revolution", die sich im Bau neuer Solarparks, Windräder und Biogas-Anlagen widerspiegelt. Auch die Suche nach dem als umweltfreundlich deklarierten Rohstoff Gas kann man in diesem Zusammenhang setzen. So zeigt sich gerade an dieser Entwicklung deutlich, wie dicht die Landschaft schon mit unterschiedlichen Nutzungsinteressen überzogen ist. Gleichzeitig wollen wir alle unseren derzeitigen Lebensstandard erhalten oder sogar noch erweitern, ohne dass wir die vielen Möglichkeiten des Energiesparens bisher ausgereizt hätten. Die Natur kommt bei diesen Vorzeichen nur allzu leicht "unter die Räder": Eine Gasbohrung am Rande des Naturschutzgebiets (und darunter hindurch!) kann z. B. bedeuten, dass sich das hydrologische Beziehungsgefüge der Quellen und Grundwasserreservoirs im Bereich des Langbürgner Sees dauerhaft verändert und negativ beeinträchtigt wird. Welche Auswirkungen solche Veränderungen auf die Trinkwasserversorgung der Menschen und die sensiblen Ökosysteme innerhalb des Naturschutzgebiets hätten, kann wohl niemand mit Sicherheit voraussagen. Wieder sind wir an einem Dilemma angelangt: Welsches Argument wiegt schwerer, was ist uns wertvoller? Die Suche nach einem Rohstoff, der unser Herz aufblühen lässt und uns allen kostenlose Wärme von innen liefert. Aber haben wir überhaupt noch eine Wahl oder bleibt uns nur mehr die Suche nach dem Alternativ-Standort...? In diesem Sinn plädiere ich für einen sachlich geführte Diskussion und Entscheidungsfindung, die aber auch die emotionale Komponente mit einbezieht. Denn eine Landschaft muss man zuerst erleben und erfühlen, damit man sie auch erhalten kann! Ich finde, gerade weil hier seit vielen Jahren ein Biotopverbund-Projekt existiert, mit dem man versucht,, die Einheit der Landschaft zu pflegen, sollte schon Grund genug sein, einen der saubersten Seen Bayerns davor zu bewahren, wie ein Schweizer Käse zu enden!

von Daniel Kufner (Projektbetreuer Biotopverbund)